Abzocke durch Kastrationen

Das deutsche Tierschutzgesetz verbietet Amputationen von Körperteilen ohne medizinische Indikation. Das ist auch gut so, seitdem verschwinden kupierte Tiere aus dem Tagesbild. Leider nicht ganz, da es vereinzelt immer noch zu illegalen Kupierungen kommt. Jetzt sieht man, welch wunderhübsche Tiere Dobermänner mit Schlappohren und einer langen Rute sind.

Grundsätzlich gilt dieses auch für Kastrationen. Die Bequemlichkeit, sich nicht mit der Läufigkeit der Hündin oder dem Machogehabe eines Rüden auseinander setzten zu müssen, ist kein Argument.

Leider ist es jedoch alltägliche Realität, dass es ein lukratives Geschäft ist und deswegen Tiermediziner mitunter schnell und leicht mit passenden Gründen bei der Hand sind. So reden viele Tierärzte ihren Kunden ein, dass die Kastration einer Hündin späteren Brustkrebs vorbeuge. Nicht nur, dass es bisher keine aussagekräftigen Studien zu dieser Behauptung gibt, oft werden die Spätfolgen wie negative Verhaltensänderungen und Inkontinenz im Alter verschwiegen. Aber genau das ist wiederum das Lukrative daran, denn wer verkauft später das Inkontinenzmittel Caniphedrin? Bedauerlich ist in diesem Zusammenhang, dass Alternativen z.B. zur Verhinderung ungewollter Vermehrungen oftmals unerwähnt bleiben. Die Sterilisierung von Hunden, also das durchtrennen von Samen- oder Eileitern, ist eine sichere Methode und der Eingriff nicht aufwendiger als das radikale Schnipp-Schnapp.

Die Tiermediziner befinden sich dabei in einer unheiligen Allianz mit einer Vielzahl von Hundetrainerinnen und Tierschützerinnen, deren Kontrollzwang sich darin zeigt, dass sie fast immer mit gesetzwidrig kastrierten Rüden zu sehen sind.

Der amerikanische Veterinär Dr. Prof. Ben Hart stellte anhand seiner Arbeiten fest, dass Kastrationen für die betroffenen Hunde eine Kette von gesundheitlichen Folgen hat: sie sind häufiger übergewichtig, inkontinent, haben hormonale Probleme, Gelenkprobleme und sterben früher als unkastrierte Artgenossen.

Wenn man dies bedenkt und dann auch noch den immer mehr zunehmenden Konkurrenzkampf vor allem unter jungen Tierärzten, dann stellt sich die berechtigte Schlussfolgerung, dass Kastrationen zu einer lukrativen Geschäftsidee mit langfristiger Kundenbindung verkommt.

Diesen Artikel wurde in Anlehnung an den Wissenskommentar von Prof. Dr. Kurt Kotrschal, Zoologe an der Uni Wien und Leiter der Konrad-Lorenz-Forschungsstelle in Grünau, geschrieben.

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